Zweite Ausbildung machen – Erfahrungsbericht

Über Sophia:
Sophia arbeitet als Customer Success Managerin bei Ausbildung.de. Sie hat zuerst eine Ausbildung zur Medienkauffrau (Digital und Print) gemacht und sich dann noch für eine weitere Ausbildung zur Mediengestalterin (Digital und Print) entschieden. Warum sie diesen Schritt gemacht hat, welche Herausforderungen sie dabei hatte und was sie dabei mitgenommen hat, erzählt sie uns im Interview.
Warum hast du dich dafür entschieden, noch eine zweite Ausbildung zu machen?
Meine erste Ausbildung war nicht meine Wunschausbildung. Ich wollte schon immer eher in den gestalterischen, künstlerischen Bereich, habe aber damals keinen Ausbildungsplatz in diesem ergattern können. In meiner ersten Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print durfte ich bei meinem Ausbildungsbetrieb sehr viele Abteilungen durchlaufen. Darunter auch die Anzeigenabteilung, in der aktiv gestalterisch mit InDesign und Photoshop gewerkelt wurde, um Anzeigen zu erstellen. Dieser Moment war die Geburtsstunde meines Wunsches auch wirklich aktiv eine zweite Ausbildung anzugehen, die Ausbildung zur Mediengestalterin Digital und Print.
Wie war es, wieder Azubi zu sein – vielleicht mit jüngeren Mitlernenden?
Da ich von der ersten Ausbildung direkt in zweite Ausbildung übergegangen bin – ich hatte wirklich nur zwei Wochen Pause dazwischen – war es für mich kein allzu großer Unterschied. Neu war für mich nur der Blockunterricht. Den Altersunterschied habe ich ab und an in der Berufsschulklasse gemerkt, das war mir aber nie unangenehm oder so. Wir waren ohnehin bunt zusammengewürfelt. Einige kamen frisch vom Abi, andere hatten bereits ein Studium abgeschlossen oder abgebrochen. Das gemeinsame Arbeiten und Verzweifeln an größeren Gestaltungsprojekten hat uns in der Berufsschule als Klassenkameraden vielmehr zusammengeschweißt, als ich dachte. Allgemein habe ich die Zeit in der Berufsschule sehr genossen und konnte verdammt viel lernen, wovon ich heute noch profitiere – fachlich, aber auch menschlich.
Du fragst dich, ob es mit 30 schon zu spät für eine Ausbildung ist? (Spoiler: Natürlich nicht!) In unserem Magazin-Artikel Ausbildung mit 30 erfährst du, welche Finanzierungsmöglichkeiten und Rechte du hast.
Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast?
Ja, tatsächlich gab es einige dieser Momente. Schließlich habe ich die zweite Ausbildung zu Coronazeiten gemacht. Kaum angefangen wurde ich direkt mit einem Mac fürs Home Office ausgestattet. Meine zweite Ausbildung war also quasi eine Lockdown-Ausbildung.
Der Moment, an dem ich am meisten gezweifelt habe, ob es die richtige Entscheidung war, war als mein Ausbilder zu mir meinte ich hätte keinen Sinn für Ästhetik. Das tat mir damals total weh und hat mich auch in eine kleine Identitätskrise gestürzt. Was mir geholfen hat dranzubleiben waren sehr viele intensive Gespräche mit meinem Partner und mit Freunden. Durch die Gespräche konnte ich immer neue Kraft schöpfen und bin am Ball geblieben. Aufgeben gehört nicht zu meinen Stärken. Zäh war es jedoch besonders zum Ende hin. Die Luft war einfach raus und mir war am Ende der Ausbildung klar, dass ich mir den Arbeitsalltag und die Ausübung des Berufs deutlich freier vorgestellt habe. Ich wollte aber aus Prinzip nicht das Handtuch werfen und habe mich erfolgreich durch die Abschlussprüfungen gebissen.
Welche Unterschiede hast du im Vergleich zur ersten Ausbildung bemerkt?
Ich habe einige Unterschiede bemerkt. Schon allein, weil ich die erste Ausbildung bei einem Großkonzern mit etwa 3.000 Mitarbeitenden gemacht habe und die zweite bei einem eher kleineren Betrieb mit nur etwa 50 Mitarbeitenden. Bei der ersten Ausbildung war ich in unterschiedlichen Abteilungen und an verschiedenen Standorten. Der Betrieb der zweiten Ausbildung befand sich komplett auf einem Flur.
Beide Ausbildungen bin ich motiviert angegangen. Ganz getreu dem Motto „ich mache das für meine eigene Zukunft, nicht für irgendwen anderen“. Der Blockunterricht hat mir aber besser gefallen als die einzelnen Berufsschultage.
In der ersten Ausbildung konnte ich mich außerdem mehr mit anderen Azubis austauschen, weil es halt ein größeres Unternehmen war. In der zweiten Ausbildung war ich die einzige Auszubildende im Betrieb. Dafür konnte ich in meiner zweiten Ausbildung aber sehr viel Verantwortung übernehmen und mich auch alleine um große Projekte kümmern.
Welchen Rat gibst du jemandem, der mit dem Gedanken spielt, noch einmal neu anzufangen?
Den Rat meiner besten Freundin: Mache eine Pro- und Kontra-Liste.
Persönlich mag ich diese Listen ganz und gar nicht. Allerdings bringen sie sehr viel Klarheit. Und ja, ich selbst mache diese Listen heute noch, wenn größere Entscheidungen anstehen.
Außerdem sollte man sich fragen: Was bringt mir das? Inwiefern bereichert es mich persönlich? Mache ich das für mich oder weil andere das von mir erwarten? Was will ich damit erreichen? Welchen Sinn sehe ich in der zweiten Ausbildung? Diese Fragen helfen auch noch mal sehr gut, um Klarheit zu gewinnen.
Du weißt noch gar nicht, in welche Richtung es für dich in deiner zweiten Ausbildung genau gehen soll? Mit unserem Berufscheck findest du Orientierung. Wenn du schon einen bestimmten Bereich, aber noch keinen konkreten Beruf im Kopf hast, dann könnten dir unsere Berufe-nach-Themen-Seiten weiterhelfen.
Wie hast du das finanziell geregelt?
Da es sich bei meiner zweiten Ausbildung nicht um eine Erstausbildung gehandelt hat, fiel die BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) schonmal flach. Auch Rücklagen hatte ich keine. Tatsächlich bin ich auch schon während meiner ersten Ausbildung in eine kleine 1-Zimmer-Wohnung gezogen.
Zu dem Zeitpunkt war ich aber noch unter 25 und hab deshalb neben dem Ausbildungsgehalt noch mein Kindergeld bekommen. Zusätzlich habe ich Wohngeld beantragt. Mit diesen drei Sachen konnte ich dann zumindest meine Fixkosten abdecken. Das Gute oben drauf: Ich habe während der ersten Ausbildung mit meiner besten Freundin ein Nebengewerbe auf die Beine gestellt, das uns beiden während der Ausbildung ein hübsches Nebensümmchen eingebracht hat. Dieses Gewerbe läuft bis heute unter dem Namen Fuchsmond.
Hat sich die Zweitausbildung für dich gelohnt und würdest du den Schritt wieder gehen?
Die Zweitausbildung war für mich die Erfüllung meines eigentlichen Berufswunsches. Paradoxerweise weiß ich nun, dass ich diesen Beruf nie hauptberuflich ausüben möchte. Gelohnt hat es sich für mich aber trotzdem alle mal. Ich habe durch die zweite Ausbildung so viel für meine Nebenselbstständigkeit mitnehmen können und auch persönlich sehr, sehr viel. Ja, die Ausbildung war taff. Dennoch möchte ich Sie nicht missen müssen. Ich würde mich jederzeit wieder für diesen Schritt entscheiden. Denn neben dem fachlichen Know-How hat sie mir auch geholfen mich selbst noch besser kennen zu lernen.
Was ich anders machen würde: Auf jeden Fall den Druck rausnehmen. Ich habe mich selbst viel zu sehr gestresst, weil ich sehr perfektionistisch bin. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, unnötig war.
Ich möchte also jedem, der noch zweifelt mitgeben: Mach das, was dich erfüllt, strotz den Herausforderungen und folge deinem beruflichen Herzen.

Über die Autorin:
Larissa arbeitet als Redakteurin bei Ausbildung.de. Sie wollte schon immer Redakteurin werden, hat aber auch schon mal darüber nachgedacht, eine Ausbildung in einem ganz anderen Bereich zu machen.