Steuern in der Ausbildung: Diese Abgaben musst du als Azubi zahlen

Die Ausbildungsvergütung ist sicherlich die Sache, auf die du dich als Azubi am meisten freust. Endlich verdienst du dein eigenes Geld – wäre da nicht das leidige Thema Steuern und Abgaben. In der Ausbildung wird es dir spätestens nach deiner ersten Lohnabrechnung begegnen. Von deinem Bruttolohn gehen nämlich Sozialabgaben und unter Umständen auch Lohnsteuer und Kirchensteuer ab. Was übrig bleibt ist dein Nettogehalt. Wir erklären dir, ab wann du Steuern zahlen musst, worauf du dabei achten musst und ob sich eine Steuererklärung für dich als Azubi lohnt.

Hinweis: Wir gehen in diesem Ratgeber davon aus, dass du unverheiratet bist und keine Kinder hast – also in Steuerklasse 1 fällst. Die Steuerklasse hat nämlich Einfluss auf die Steuern und Abgaben, die dir von deiner Vergütung abgezogen werden.

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Muss ich als Azubi Steuern zahlen?

Die Steuerpflichtigkeit von Auszubildenden hängt von zwei Dingen ab: Der Ausbildungsvergütung und der Lohnsteuerklasse. Bist du in Lohnsteuerklasse I und verdienst in der Ausbildung weniger als 1.120 Euro brutto im Monat musst du keine Steuern zahlen! Damit liegst du nämlich dann ganz knapp unter dem sogenannten Grundfreibetrag von 9.744 Euro im Jahr.

Als Azubi musst du keine Steuern zahlen, wenn …
    • … deine Ausbildung nicht vergütet wird.
    • … du im Monat weniger als 1.120 Euro brutto verdienst.
    • … du im Jahr unter dem Grundfreibetrag von 9.744 Euro liegst.
Als Azubi musst du Steuern zahlen, wenn …
    • … du monatlich mehr als 1.120 Euro brutto verdienst.
    • … du den jährlichen Grundfreibetrag von 9.744 Euro überschreitest.

Was ist der Grundfreibetrag?

Der Grundfreibetrag liegt 2021 bei genau 9.744 Euro. Bist du unter der Grenze, musst du keine Steuern zahlen. Bist du drüber werden Lohnsteuer und eventuell Kirchensteuer fällig. Der Grundfreibetrag bezieht sich übrigens nicht auf dein Bruttoeinkommen, sondern auf das zu versteuernde Einkommen. Das berechnet sich wie folgt: jährliches Bruttogehalt abzüglich Sozialabgaben und abzüglich 1000 Euro Werbungskostenpauschale.

Übrigens: Der Grundfreibetrag erhöht sich von Jahr zu Jahr. 2020 lag er noch bei 9.408 Euro. 2021 wurde er dann um 336 Euro auf 9.744 Euro erhöht.

Welche Steuern zahlen Azubis?

Mehrere 20 Euro Scheine auf dem Tisch

Als Azubi giltst du als Arbeitnehmer und bist je nach Höhe deiner Ausbildungsvergütung auch steuerpflichtig. Neben Lohnsteuer kommt dann unter Umständen auch Kirchensteuer auf dich zu.

Praktisch: Beim Thema Steuern musst du dich um nichts kümmern – das übernimmt nämlich alles dein Ausbildungsbetrieb für dich. Der behält einen Teil deiner Ausbildungsvergütung ein und führt diesen direkt an das Finanzamt ab.

Lohnsteuer

Junger Mensch hält mehrere Euro-Scheine in den offenen Händen

Die Lohnsteuer betrifft dich als Auszubildenden erst, wenn du mehr als den Grundfreibetrag von 9.744 Euro im Jahr verdienst. Das entspricht etwa einer monatlichen Ausbildungsvergütung von knapp 1.120 Euro brutto. Verdienst du mehr Geld, musst du Lohnsteuer zahlen. Du musst dann aber nicht dein ganzes Einkommen versteuern, sondern nur das, was den Grundfreibetrag von 9.744 Euro übersteigt. Liegst du nur knapp drüber, wird die Lohnsteuer relativ gering ausfallen.

Berechnung Grundfreibetrag für Azubis

Rechenbeispiel: Grundfreibetrag für Azubis

Nehmen wir mal an, du verdienst 1.120 Euro brutto im Monat. Das sind dann 13.440 Euro brutto im Jahr. Um dein zu versteuerndes Einkommen zu berechnen, musst du davon jetzt die Sozialabgaben abziehen. Das sind 20,1 % - also knapp 2698 Euro. Außerdem musst du noch die 1000 Euro Werbungskosten abziehen. Damit ergibt sich ein zu versteuerndes Einkommen von 9.742 Euro – und damit bist du ganz knapp unter dem Grundfreibetrag. Du musst also keine Lohnsteuer zahlen.

Aber Achtung: Weihnachts- und Urlaubsgeld sind nicht lohnsteuerfrei! Das musst du also noch dazurechnen. Es kann nämlich sein, dass du damit dann den Grundfreibetrag überschreitest und lohnsteuerpflichtig wirst. In unserem Rechenbeispiel würden schon drei Euro reichen, damit du die Grenze überschreitest und Lohnsteuer bezahlen musst.

Lohnsteuerrechner: Wie viel Lohnsteuer muss ich zahlen?

Du möchtest ganz einfach wissen, ob und wenn ja, wie viel Lohnsteuer du in der Ausbildung zahlen musst? Dann google nach „Lohnsteuerrechner BMF“. Damit findest du den offiziellen Lohn- und Einkommenssteuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Da kannst du dann einfach deine Daten eingeben und der Rechner ermittelt, wie viel Lohnsteuer du bezahlen musst.

Kirchensteuer

Gehörst du der evangelischen oder katholischen Kirche an, musst du neben Lohnsteuer auch Kirchensteuer zahlen. Wie viel genau, hängt von der Lohnsteuer ab – die Kirchensteuer beträgt nämlich 8 bis 9 % von der Lohnsteuer. Zahlst du monatlich 10 Euro Lohnsteuer, beträgt die Kirchensteuer also achtzig bis neunzig Cent. Bist du in keiner Kirche, musst du natürlich auch keine Kirchensteuer zahlen.

Solidaritätszuschlag

Ab dem 1.1.2021 entfällt der sogenannte Solidaritätszuschlag. Darüber musst du dir also keine Gedanken mehr machen!

In welche Steuerklasse fallen Azubis?

Auszubildende, die nicht verheiratet sind und keine Kinder haben, fallen in Steuerklasse 1. Bist du verheiratet fällst du in Klasse 3, 4 oder 5. Die Steuerklasse hängt grundsätzlich von deinem Familienstand ab und hat großen Einfluss darauf, wie viel Steuern du bezahlen musst.

Lohnt sich eine Steuererklärung für Azubis?

Steuerklärung schreiben

Sobald du als Azubi Lohnsteuer zahlen musst, lohnt sich in der Regel eine Steuererklärung. In den allermeisten Fällen kannst du dir damit die vom Finanzamt einbehaltene Lohnsteuer zurückholen. Achte bei deiner Lohnabrechnung also unbedingt darauf, ob du Lohnsteuer bezahlst.

Was kann ein Azubi steuerlich absetzen?

Viele Azubis wissen gar nicht, dass sie viele Ausgaben wie zum Beispiel Ausbildungskosten von der Steuer absetzen können. Das sind zum Beispiel:

  • Kosten für Prüfungen oder Lehrgänge
  • Fahrtkosten zur Berufsschule und zum Ausbildungsunternehmen
  • Umzugskosten
  • Kosten für Lernmaterial wie zum Beispiel Fachbücher oder Laptop

Wie viel Sozialabgaben müssen Azubis bezahlen?

Lohnsteuer und Kirchensteuer sind allerdings nicht das einzige, was am Ende des Monats von deiner Ausbildungsvergütung abgezogen wird. Da gibt es nämlich noch die Sozialabgaben – und die betragen rund 40 % deines Azubi-Gehalts.

Aber keine Angst: Die Sozialabgaben teilst du dir mit deinem Arbeitgeber. Der übernimmt nämlich die Hälfte davon – schlussendlich werden dir also nur ungefähr 20 % deiner Ausbildungsvergütung abgezogen.

Wie setzen sich die Sozialabgaben zusammen?

Unter dem Überbegriff Sozialabgaben werden verschiedene Versicherungen zusammengefasst:

  • Rentenversicherung: Ein Teil deiner Ausbildungsvergütung fließt in die gesetzliche Rentenversicherung. Das Geld dient also der Altersvorsorge. Wenn du dann später einmal im Ruhestand bist, bekommst du monatlich Rente.

  • Krankenversicherung: Für Krankheitsfälle musst du in der Ausbildung eine eigene Krankenversicherung haben. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Die Krankenversicherung kannst du dir aber selber aussuchen – vergleichen lohnt sich!

  • Pflegeversicherung: Auch für die sogenannte Pflegeversicherung bezahlst du monatlich einen kleinen Betrag. Die Versicherung ist dafür da, falls du später einmal pflegebedürftig werden solltest.

  • Arbeitslosenversicherung: Die Arbeitslosenversicherung zahlst du, damit du später abgesichert bist, falls du mal arbeitslos werden solltest.

Während Lohn- und Kirchensteuer nur die Azubis in den bestbezahlten Ausbildungsberufen betreffen, werden die Sozialabgaben bei fast jedem Azubi fällig. Um genau zu sein ab einer monatlichen Ausbildungsvergütung von 325 Euro – das ist die sogenannte Geringverdienergrenze. Da 2020 der Mindestlohn für Azubis eingeführt wurde (1. Ausbildungsjahr 2021: 550 Euro brutto), gibt es eigentlich keine Azubis mehr, die keine Sozialabgaben zahlen müssen.

Wie viel Sozialabgaben du am Ende genau zahlen musst, hängt von deiner Ausbildungsvergütung ab. Die Abgaben werden nämlich prozentual an deinem Bruttolohn berechnet.

  • Rentenversicherung: 9,3 %
  • Krankenversicherung: 8,1–8,3 %
  • Pflegeversicherung: 1,5 % (ab 23. Lebensjahr 1,7 %)
  • Arbeitslosenversicherung: 1,2 %

Kranken- & Pflegeversicherung

Bei der Kranken- und Pflegeversicherung kann es zu Schwankungen kommen. Grundsätzlich beträgt die Krankenversicherung 7 % des Bruttogehalts, dazu kommen allerdings noch Zusatzbeiträge der Krankenkasse in Höhe von 1,1–1,3 %.

Bei der Pflegeversicherung spielt hingegen das Alter eine Rolle. Bei kinderlosen Arbeitnehmern steigt die Versicherungshöhe ab dem 23. Lebensjahr von 1,5 auf 1,7 %.

Wie viel wird in der Ausbildung vom Gehalt abgezogen?

Von deinem Bruttogehalt werden knapp 20% Sozialabgaben abgezogen. Das sind Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Liegst du über dem jährlichen Grundfreibetrag von 9.744 Euro kommen noch Lohnsteuer und eventuell Kirchensteuer dazu.

Rechenbeispiel: Verdienst du 1000 Euro brutto im Monat, werden dir von deiner Vergütung knapp 200 Euro Sozialabgaben abgezogen. Somit bleiben rund 800 Euro netto übrig. Nach Abzug der Sozialabgaben und den 1000 Euro Werbungskosten liegst du bei einem zu versteuernden Einkommen von knapp 8.600 Euro. Du musst also keine Lohnsteuer bezahlen.

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