Der Einstieg ins Berufsleben ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Und gerade jetzt, wo in den Nachrichten oft das Bild eines Ausbildungsmarktes unter Druck gezeichnet wird, braucht es keine weiteren Schlagzeilen, sondern Orientierung. Stell dir vor, du suchst eine Ausbildung – und findest sie nicht dort, wo du sie erwartet hättest: nicht in der Großstadt, sondern 30 Kilometer weiter, in einer Stadt, die du kaum auf dem Schirm hattest. Mehr Stellen, weniger Konkurrenz, bessere Chancen. Was wie ein Zufallsfund klingt, ist in den Daten ein klares Muster.
Für das Ausbildungsbarometer 2026 haben wir erstmals unsere internen Plattformdaten systematisch ausgewertet: alle Stelleninserate zwischen Mai 2025 und April 2026, aufgeschlüsselt nach Berufen und Regionen. Die Analyse beantwortet drei Fragen, die für alle am Berufseinstieg entscheidend sind: Welche Ausbildungsberufe wurden in den letzten zwölf Monaten besonders häufig ausgeschrieben – und wann? Wo lohnt sich die Suche, auch abseits der großen Metropolen? Und in welchen Städten ist das Ausbildungsangebot zuletzt besonders stark gewachsen?
Wann ist der richtige Bewerbungszeitpunkt? Auf Ausbildung.de waren zwischen Mai 2025 und April 2026 deutschlandweit monatlich im Schnitt rund 93.000 Ausbildungsstellen online. Den Tiefpunkt markiert der August 2025 mit 80.753 Stellen. Ab September zieht der Markt an: Das Angebot steigt kontinuierlich und erreicht im Dezember 2025 mit 107.170 Stellen seinen Jahreshöchstwert und liegt mit rund 26.400 zusätzlichen Stellen knapp 33 Prozent über dem Angebot im August.
Ausbildungsberufe im öffentlichen Dienst wie Finanzwirt/in (mittlerer Dienst) haben auf Ausbildung.de ein klares Bewerbungsfenster. Der Markt zeigt eine ausgeprägte Saisonalität: Im Juni 2025 wurden nur 299 Stellen ausgeschrieben – im Dezember 2025 war das Angebot mit 1.502 Stellen fünfmal so hoch. Eine plausible Erklärung: Behörden schreiben nicht nach Marktlage aus, sondern nach festen Verwaltungszyklen. Die Bewerbungsfenster öffnen sich deshalb häufig zwischen September und Dezember.
Dann gilt: früh planen zahlt sich aus. Die Bewerbungsfenster öffnen sich ab September, aber die Auswahlverfahren starten oft schon ein Jahr vorher. Wer zum Beispiel im Herbst 2027 einsteigen möchte, sollte spätestens im Sommer 2026 aktiv an seiner Bewerbung arbeiten und die Fristen im Blick behalten.
Für ein besseres Verständnis der Marktdynamik lohnt sich ein Blick auf zwei Kennzahlen: die Gesamtzahl der Ausbildungsstellen (wie viele Ausbildungsplätze verfügbar sind) und die Anzahl der aktiven Inserate (wie viele Ausschreibungen gerade laufen). In einem Inserat können mehrere Stellen ausgeschrieben sein. Beide Kurven verlaufen nahezu synchron. Im Sommer 2025 (Juli und August) zeigt sich der Jahrestiefstand. Dies ist bedingt durch die Ferienzeit und weniger Marktaktivität. Ab September zieht das Angebot deutlich an und erreicht im Dezember 2025 seinen Höchstwert. Auffällig ist der deutliche Einbruch im Januar 2026. Ab Februar stabilisiert sich das Angebot wieder, bevor es zum Frühjahr hin leicht zurückgeht.
Nicht nur der richtige Zeitpunkt zählt. Im Bewerbungsprozess kann auch ein Blick auf die am häufigsten ausgeschriebenen Berufe als Inspiration dienen. Mit 69.197 Ausbildungsstellen im gesamten Erhebungszeitraum und durchschnittlich rund 19.000 Stellen pro Monat werden Kaufmänner/-frauen im Einzelhandel besonders häufig ausgeschrieben. Dahinter folgen Verkäufer:innen mit insgesamt rund 40.000 Stellen. Beide Ausbildungsberufe zusammen machen 37,5 Prozent des gesamten Stellenangebots im Erhebungszeitraum auf Ausbildung.de aus – und sind in nahezu jeder Stadt präsent.
Auf Rang 3 steht ein echter Allrounder, welcher Türen in nahezu alle Bereiche des Handels öffnet: der Handelsfachwirt/in. Mit 17.001 Stellen und im Schnitt 4.426 Stellen pro Monat wird dieser Beruf häufiger ausgeschrieben als Drogist/in (10.653 Stellen) und Pflegefachmann/-frau (8.095 Stellen).
Die Daten zeigen: Das Stellenangebot schwankt im Jahresverlauf deutlich. Doch wie stark fallen diese Unterschiede auf regionaler Ebene aus? Ein Blick auf die Stellenverteilung in den untersuchten Städten von Mai 2025 bis April 2026 macht deutlich: Auch regional sind die Unterschiede teils erheblich.
Gemessen an der reinen Anzahl der Ausbildungsstellen auf Ausbildung.de führen die großen Städte das wenig überraschend Ranking an. Berlin kommt im gesamten Zeitraum auf 42.508 Stellen (durchschnittlich 3.542 pro Monat), Hamburg auf 29.314 (durchschnittlich 2.442), München auf 25.054 (durchschnittlich 2.087) und Köln auf 17.633 (durchschnittlich 1.469). Hannover, Leipzig, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt folgen mit jeweils über 9.000 Stellen im Gesamtzeitraum.
Wer nur in den großen Metropolen sucht, sieht nur einen Teil des Marktes und übersieht dabei möglicherweise Orte, in denen die Karrierechancen gerade viel günstiger sind.
Im Ranking der Städte mit der höchsten Ausbildungsdichte auf Ausbildung.de sind es jedoch keine Metropolen, sondern kleine und mittelgroße Städte, die auf dem Radar erscheinen. Bückeburg – zwischen Bielefeld und Hannover gelegen (rund 19.000 Einwohner:innen) – kommt auf 19,1 Ausbildungsstellen pro 1.000 Einwohner:innen: der höchste Wert unter allen untersuchten Städten. An zweiter Stelle folgt Wertheim (Baden-Württemberg) mit 11,1, vor Biberach an der Riß (8,9) und Dingolfing mit 8 Stellen pro 1.000 Einwohner:innen.
Berlin als größter Stellenmarkt kommt auf rund eine Stelle bei 1.000 Einwohner:innen, Hamburg und München auf 1,4. In Bückeburg ist die Ausbildungsdichte damit fast 20-mal so hoch wie in Berlin. Anders gesagt: Wer in einer kleinen Stadt sucht, trifft auf deutlich mehr Angebot im Verhältnis zur Einwohnerzahl – und in der Regel auf weniger Konkurrenz.
In kleineren Städten prägen oft einzelne starke Arbeitgeber den lokalen Ausbildungsmarkt: ein Industrieunternehmen, ein Klinikum, ein Handelskonzern, eine Behörde. Das bedeutet auch: Hier wird nicht breit gestreut inseriert, sondern gezielt und oft mit vielen Stellen. Wer diese Arbeitgeber kennt, findet dort oft Chancen, die in der Großstadt im Angebot untergehen würden.
Wer das Angebot seiner Stadt – oder der nächstgelegenen – kennt, weiß, wo die echten Chancen liegen und bewirbt sich gezielter.
Die Auswertung der Top-5-Ausbildungsberufe nach Stellenangebot zeigt: Jede Stadt hat ein eigenes Ausbildungsprofil. Einige stechen besonders heraus. In Aschaffenburg dominiert Fremdsprachenkorrespondent/in mit 430 von 784 Stellen, also über die Hälfte des gesamten Stellenangebots der Stadt. In Chemnitz und Halle taucht kein einziger Handelsberuf in den Top 5 auf. Stattdessen dominieren Erzieher/in, Sozialassistent/in und Pflegeberufe das Bild. Und Tübingen zeigt sich als reiner Gesundheitsstandort: Pflegefachmann/-frau führt die Liste an, gefolgt von medizinisch-technischen Berufen.
Finde jetzt heraus, welche Ausbildungsstellen in deiner Stadt besonders gefragt sind – und wirf auch einen Blick auf die Nachbarstädte. Denn wie die Daten zeigen: Manchmal lohnt sich ein kurzer Pendelweg, um deutlich mehr Auswahl zu haben.
Wie dynamisch der Ausbildungsmarkt ist, zeigt nicht zuletzt der Jahresvergleich gleicher Zeiträume. Ergänzend zum bisherigen Datensatz wurden dafür die aktuellsten verfügbaren Stellenzahlen auf Ausbildung.de für Mai 2026 herangezogen und dem Angebot aus Mai 2025 gegenübergestellt.
Das Ergebnis: Das Stellenangebot lag in diesem Mai mit 103.634 Ausbildungsstellen rund 7 Prozent höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (96.675 im Mai 2025). Doch der Blick auf die Gesamtzahl verdeckt regionale Unterschiede: In vielen Städten entwickelt sich das Angebot sehr unterschiedlich.
Einige Städte legen klar zu: Das Angebot in Gütersloh wächst um 238 Prozent, Erlangen um 59 Prozent, Bielefeld um 50 Prozent, Bochum um 42 Prozent, Mülheim an der Ruhr und Darmstadt jeweils um 41 Prozent, Münster um 40 Prozent.
Auf der anderen Seite verzeichnen zum Beispiel Schwerin (–43 Prozent), Wertheim (–42 Prozent) und Biberach an der Riß (–39 Prozent) deutliche Rückgänge.
Zur Einordnung: Gerade in kleineren Städten können einzelne große Unternehmen das gesamte Bild verzerren. Wenn ein Betrieb in einer Stadt mit rund 20.000 Einwohner:innen im Vorjahr besonders viele Stellen ausgeschrieben hat und im Folgejahr deutlich weniger, schlägt sich das schnell als starker prozentualer Rückgang nieder.
Besonders stabile Angebotsniveaus im Vorjahresvergleich zeigen unter anderem Hamburg, München und – in kleinerem Maßstab – auch Nürnberg und Mannheim. Das sind Märkte, in denen Bewerber:innen zu jedem Zeitpunkt ein ähnlich breites Angebot vorfinden.
Neben dem Jahresvergleich (Mai 2025 vs. Mai 2026) lohnt sich ein zweiter Blick auf die Entwicklungen des Stellenangebots auf Ausbildung.de seit Januar 2026: Einige Städte haben seit Jahresbeginn besonders stark zugelegt.
So kommt Gütersloh von Januar bis Mai 2026 auf durchschnittlich 254 Stellen pro Monat, was einem Plus von 117 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Vormonate (Mai bis Dezember 2025: 117 Stellen) entspricht. Stuttgart (982 vs. 760 Stellen), Mülheim an der Ruhr (202 vs. 156 Stellen) und Kiel (438 vs. 338 Stellen) legen um rund 30 Prozent zu, Hagen (188 vs. 147 Stellen) um 28 Prozent. Das sind Märkte, die aktuell spürbar an Fahrt aufnehmen.
Diese Auswertung ist anders geschnitten als der Jahresvergleich und zeigt die kurzfristige Dynamik: Wer jetzt sucht, findet in diesen Städten ein deutlich gewachsenes Angebot.
Die Auswertungen basieren auf internen Plattformdaten von Ausbildung.de. Betrachtet wurden alle auf Ausbildung.de veröffentlichten Ausbildungsanzeigen im Zeitraum Mai 2025 bis April 2026 sowie für die Jahresvergleiche zusätzlich die aktuellsten verfügbaren Daten zum gesamten Stellenangebot aus Mai 2026.
Bei der Jahresgesamtbetrachtung wurde jede Stellenausschreibung nur einmal gezählt, auch wenn sie mehrere Monate lang inseriert war. Bei der monatsweisen Auswertung wurden jeweils alle in dem Monat aktiven Stellen neu erfasst – eine Stelle, die z. B. drei Monate lang online war, fließt entsprechend in drei Monatswerte ein.
Für Stadtvergleiche wurden die 190 größten Städte berücksichtigt. Pro-Kopf-Werte wurden auf Basis der Einwohnerzahlen aus dem Zensus 2022 berechnet (Stichtag 15.05.2022) und als Stellen pro 1.000 Einwohner:innen ausgewiesen.
Berücksichtigt wurden Angebote der klassischen-dualen Ausbildung. Die Ergebnisse bilden das Angebot auf Ausbildung.de ab und sind kein repräsentatives Abbild des gesamten deutschen Ausbildungsmarkts.
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