Ausbildung mit Behinderung: Mit einer Beeinträchtigung zur Berufsausbildung

Jeder Mensch hat die Chance auf eine coole Ausbildung – das gilt selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung. Je nach Art und Grad des Handicaps gibt es zwar ein paar Einschränkungen bei der Wahl des Ausbildungsberufs, aber grundsätzlich gibt es für jeden eine passende Ausbildung. Die Anforderungen des Berufsalltags müssen einfach mit den eigenen Fähigkeiten zusammenpassen.

Hier gibt’s alle Infos zum Thema Ausbildung mit Behinderung: Angefangen bei Ausbildungsberufen, die sich besonders für Menschen mit Beeinträchtigungen eignen, über Tipps, wie man damit in der Bewerbung umgeht, bis hin zu Besonderheiten und Fördermöglichkeiten.

Junge sitzt im Rollstuhl

Welche Berufe und Ausbildungen eignen sich für Menschen mit Behinderung?

In Deutschland gibt es rund 3 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter, die eine Behinderung haben. Grundsätzlich stehen diesen Menschen die gleichen Ausbildungen offen, wie allen anderen Menschen auch. Jedoch gibt es ein paar Dinge zu beachten. Bei manchen Ausbildungsberufen kommt es zum Beispiel auf den GdB an.

GdB – der Grad der Behinderung

Der sogenannte Grad der Behinderung (GdB) gibt an, wie schwer die körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen sind. Der GdB reicht von 20 bis 100, wobei man ab einem GdB von 50 als schwerbehindert gilt. Aber Achtung: Der GdB ist unabhängig vom ausgeübten Beruf und heißt nicht automatisch, dass man für bestimmte Berufe nicht geeignet ist! Es kommt eben immer auf die Art der Beeinträchtigung an und wie stark diese Einfluss auf die Ausübung der Tätigkeiten hat.

Kann ich mit einer Behinderung eine Ausbildung machen?

Na klar! Jeder hat die Chance auf einen Ausbildungsplatz. Allerdings kommt es auf die Beeinträchtigung beziehungsweise auf den Grad der Behinderung an, was für eine Art von Ausbildung du starten kannst. Grundsätzlich wird zwischen drei verschiedenen Arten unterschieden: körperliche Behinderung, geistige Behinderung und seelische Beeinträchtigungen. Jedes Handicap hat andere Auswirkung auf das Leben der Betroffenen – das hat dann natürlich auch Einfluss auf die Wahl der Ausbildung und den Berufsalltag. Je nach Beeinträchtigung kommt vielleicht auch eine Fachpraktiker-Ausbildung für dich in Frage.

Was sind Fachpraktiker-Ausbildungen?

Fachpraktiker-Ausbildungen richten sich an Menschen mit Einschränkungen oder besonderem Förderbedarf. Also an Personen die zum Beispiel wegen körperlichen Beschwerden oder Lernschwierigkeiten keine „normale“ Ausbildung machen können.

Die Fachpraktiker-Ausbildungen orientieren sich an den vorliegenden Behinderungen und Problemen, um die Azubis bestmöglich zu fördern. Bei guten Leistungen gibt es dann später die Möglichkeit, in einen regulären Ausbildungsberuf zu wechseln. Die Fachpraktiker-Ausbildungen gibt es übrigens in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen: angefangen bei handwerklichen Berufen wie Maler und Lackierer über kaufmännische Büroberufe bis hin zu Berufen mit Tieren wie Pferdewirt oder Tierpfleger.

Ausbildungsberufe für Menschen mit einer körperlichen Behinderung

Unter eine körperliche Behinderung fallen in erster Linie Einschränkungen des Bewegungsapparats. Dadurch fallen Ausbildungen und Berufe, die mit harter körperlicher Arbeit verbunden sind, weg. Aber es gibt viele andere coole Ausbildungen, die du mit einer körperlichen Behinderung machen kannst. Sitzt du zum Beispiel in einem Rollstuhl, bieten sich kaufmännische Ausbildungen im Büro an. Denn hier liegt dein Hauptarbeitsplatz eher am Schreibtisch. Das ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten. Mach doch mal unseren Berufscheck, um herauszufinden, welche Ausbildung zu dir passt.

Ausbildungsberufe für Menschen mit einer kognitiven Behinderung

Bei einer geistigen Behinderung geht es um die sogenannten kognitiven Fähigkeiten. Man ist also vielleicht nicht dazu in der Lage, alles um einen herum problemlos wahrzunehmen. Einige Jugendliche mit einer solchen Behinderung können sich weiterhin selbstständig im Alltag und Unterricht zurechtfinden, andere brauchen mehr Unterstützung. Da gibt es dann spezielle Förderungen für lernbehinderte Menschen.

Frag dich am besten selbst, inwieweit deine Behinderung dich in deinem zukünftigen Arbeitsleben beeinträchtigen kann. Wenn dein Handicap eher auf der sprachlich-kommunikativen Ebene liegt, wähle einen Ausbildungsberuf, der den Schwerpunkt eher im handwerklichen Bereich hat oder eine Ausbildung im Bereich Logistik. Vielleicht interessieren dich aber auch eher Bauberufe oder du bist gerne an der frischen Luft. Dann ist vielleicht eine Ausbildung zum Gärtner oder zur Landschaftsgärtnerin was für dich.

Junge Frau sitzt auf einem Steg und blickt auf einen See mit Bergpanorama

Ausbildungsberufe für Menschen mit einer seelischen Behinderung

Eine seelische Erkrankung ist einer Person meist nicht so leicht anzusehen. Chronische Erkrankungen können auch physische Beschwerden auslösen. Auch da gibt es Unterschiede in den Beeinträchtigungen und es kommt auf den Grad der Behinderung an, wie der Ausbildungsplatz aussehen sollte. Eine hohe Arbeitsbelastung oder ein stressiger Arbeitsalltag sind da nicht immer das Beste für deine seelische Gesundheit. Natürlich kann es hier und da in jedem Betrieb stressig werden, aber es gibt eben Berufe, die von Natur aus ruhiger sind als andere. Und wenn wir schon bei Natur sind: Ausbildungen im Freien bieten sich da meistens gut an. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ausbildungsberuf mit Pferden?

Ausbildung in Teilzeit – weniger Stress

Für Jugendliche mit einer psychischen Problemen bietet sich auch eine Teilzeit-Ausbildung an. Das bedeutet, dass du wöchentlich eine reduzierte Arbeitszeit im Ausbildungsbetrieb und auch weniger Stunden in der Berufsschule hast.

Durch eine Ausbildung in Teilzeit verlängert sich deine Ausbildungsdauer. Alles Wichtige dazu klärst du schon im Vorfeld deiner Ausbildung mit den Ausbildern vor Ort.

Bewerben mit Behinderung

Ob du deine Behinderung direkt in deiner Bewerbung erwähnst, bleibt dir überlassen. Normalerweise bist du nämlich nicht dazu verpflichtet, das direkt im Anschreiben oder im Lebenslauf anzugeben. Es gibt aber Ausnahmen: Wenn die Behinderung entscheidenden Einfluss auf die Ausübung der Tätigkeiten hat, musst du es direkt in deinen Bewerbungsunterlagen erwähnen.

Am Einfachsten ist, du greifst vor der Bewerbung zum Handy und rufst mal beim Unternehmen an. Dann weiß der Personaler beziehungsweise die Personalerin direkt Bescheid, wenn sie später deine Bewerbung in den Händen hält.

Wie erwähne ich eine Behinderung in der Bewerbung?

Wenn du im Anschreiben auf deine Behinderung eingehen möchtest, dann erklär einfach kurz, welche Beeinträchtigung du hast. Im Idealfall sind die Einschränkungen für die Tätigkeiten während der Ausbildung und im Berufsalltag unwichtig. Fokussier dich im Anschreiben eher auf die Fähigkeiten, die du richtig gut kannst – heb deine Stärken hervor, die für die Berufsausbildung wichtig sind. In einem Bürojob spielt es zum Beispiel meist keine große Rolle, ob du im Rollstuhl sitzt. Viel wichtiger sind eine zielorientierte Arbeitsweise oder Organisationstalent. Solche Fähigkeiten kannst du dann im Anschreiben hervorheben.

Die Behinderung kannst du natürlich auch noch im Lebenslauf vermerken. Viele Personalerinnen und Personaler schauen sich oft erst den Lebenslauf an, bevor sie das Anschreiben lesen. Wenn du im Lebenslauf deine Behinderung angibst, solltest du auch im Anschreiben kurz darauf eingehen.

Du brauchst weitere Tipps für deine Bewerbung? Dann schau doch mal in unserem Bewerbungsratgeber vorbei.

Besondere Fürsorgepflicht im öffentlichen Dienst

Bei manchen Ausbildungen solltest du deine Behinderung aber unbedingt erwähnen – insbesondere im Öffentlichen Dienst. Da ist es nämlich so, dass Bewerber mit einer Schwerbehinderung bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden – das liegt an der sogenannten besonderen Fürsorgepflicht. Lies dir also unbedingt die Stellenanzeige genau durch und achte auf solche Hinweise.

Junge Frau sitzt an einem Laptop und hat Probleme sich zu konzentrieren

Besonderheiten in der Ausbildung mit einer Behinderung

Für schwerbehinderte Menschen und Jugendliche mit Behinderung gelten die gleichen Regeln und Bedingungen wie für andere Auszubildende auch. Aber es gibt ein paar Ausnahmen: So zum Beispiel beim Kündigungsschutz. Außerdem bekommen Menschen mit einer Schwerbehinderung zusätzliche Urlaubstage.

Welche Unternehmen stellen Menschen mit Behinderung ein?

Ab 20 Mitarbeitern sind Unternehmen dazu verpflichtet, in ihrem Team auch Menschen mit Behinderung einzustellen. Das ist im sogenannten Sozialgesetzbuch verankert. Die Anzahl an schwerbehinderten Menschen im Betrieb richtet sich nach den Arbeitsplätzen. Aber nicht wundern: Für Unternehmen gibt es auch die Möglichkeit, eine Ausgleichsabgabe zu zahlen.

Gibt es besondere Ansprechpartner für mich?

In Unternehmen, bei denen mindestens fünf Schwerbehinderte dauerhaft angestellt sind, gibt es eine Schwerbehindertenvertretung. Diese hat die Aufgabe, Menschen mit Beeinträchtigungen in den Betrieb einzugliedern. Wenn du nicht offen mit deinem Arbeitgeber über deine Probleme und deine Behinderung sprechen möchtest, ist die Schwerbehindertenvertretung im Betrieb immer eine gute Anlaufstelle für Fragen und Unterstützung während deiner Beschäftigung.

Welche Möglichkeiten der Förderung gibt es während der Ausbildung?

Der Förderbedarf während der Berufsausbildung ist abhängig vom Grad der Behinderung. Du hast als Jugendlicher mit einer Behinderung unterschiedliche Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen. Je nach Förderbedarf gibt es ein paar Ausbildungsmodelle.

  • Kooperative Ausbildung: Du machst deine Ausbildung im Betrieb und bekommst währenddessen Unterstützung durch einen Bildungsträger.

  • Integrative Ausbildung: Da lernst du die fachtheoretischen und fachpraktischen Inhalte deiner Ausbildung bei einem Bildungsträger. Damit du das Erlernte auch auf der Arbeit anwenden kannst, verbringst du manche Phasen im Ausbildungsbetrieb.

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